Wie der Hund uns manipuliert und warum wir selbst schuld sind

Wenn jemand klagt, das sein Hund nicht hört, dominant ist oder sogar aggressiv, sucht er die Schuld bei anderen. Es liegt dann angeblich an den Genen, der schlechten Vergangenheit oder am Charakter des Hundes. Dass der Hund sich nur so aufführt, weil ihm dieser Mensch nicht der Anführer ist, den der Hund verdient, das will ihm einfach nicht in den Sinn kommen. Schade eigentlich. Es könnte so einfach sein ...

Wie viele Hundebesitzer Signale ihres Hundes falsch deuten

Es scheint, als wolle der Mensch sich auch gar nicht wirklich um die wahren Bedürfnisse des Hundes kümmern: geführt werden, bewegen, Aufgaben erledigen und spielen (dass er essen, schlafen und sich lösen muss, ist ja selbstverständlich). Der Hundebesitzer möchte stattdessen lieber seine eigenen Wünschen nachkommen. Der Hund wird als Gesellschafter, Kuschelpartner oder auch Wachhund benutzt oder sogar hart gesprochen missbraucht.

Es fängt schon damit an, dass sich viele gar nicht mit der Hundesprache beschäftigen möchten und Signale falsch deuten:

  • Der Hund imponiert mit seiner Rute über dem Rücken, der Besitzer denkt, dass er stolz und selbstbewusst ist. Der Hund denkt aber, dass er der Rudelführer ist!
  • Der Hund wendet seinen Blick ab und der Besitzer denkt, dass er ungehorsam ist, weil er den Besitzer ignoriert. Dabei möchte der Hund nur einem Konflikt aus dem Weg gehen.
  • Der Hund wedelt mit der Rute, der Besitzer denkt, dass er glücklich ist. Es gibt aber so viele Deutungsmöglichkeiten, weil die Rute ein maßgebliches Stimmungsbarometer ist!
  • Der Besitzer läuft vor seinem Hund weg und der stellt sich vor ihn. Der Besitzer denkt, der Hund habe ihn eingefangen, aber er hütet ihn nur wie ein Schaf. Hunde spielen Fangen, indem sie den Spielpartner überholen und dann ist der mit Fangen dran!
  • Der Hund springt den Besitzer an, der Besitzer denkt, der Hund freut sich, aber es je nach Intensität genau so gut ein sogenannter Alphawurf sein, mit dem der Hund bezweckt, den Menschen zu Boden zu werfen.

Aber das sind nur einige Beispiele. So ziemlich jedes Signal wird falsch gedeutet, als ob ein Hund den ganzen Tag nur Kuscheleinheiten sowie Bewunderung bräuchte und auf Kommandos oder Futter wartet.

Wie die meisten Hundebesitzer ihrem Hund falsche Signale setzen

Und das ist noch lange nicht alles. Auch jegliche Entscheidungen werden dem Hund überlassen - sowohl bewusst als auch unbewusst.

Zunächst zu den meist bewussten Situationen:

der Hund darf entscheiden,

  • wann es raus geht
  • wer vorne läuft
  • wohin gegangen wird
  • was gemacht wird

Was macht der Mensch? Er lässt den Hund agieren.
Was schließt der Hund daraus? Er hat die Verantwortung.

Nun zu den Situationen, wo es dem Menschen nicht bewusst ist:

  • ein Auto fährt vorbei,
  • ein fremder Mensch nähert sich,
  • ein Rollo scheppert,
  • ein Beutetier zeigt sich

Was macht der Mensch? Er schaut auf den Hund, um zu sehen, wie er auf das Geschehen reagiert.
Was schließt der Hund daraus? Er denkt, dass sein Besitzer eine Entscheidung von ihm verlangt.

Entscheiden, was zu tun ist, darf bei Caniden wie Hunden oder Wölfen jedoch nur der Rudelführer. Das Resümee ist also, dass der Mensch seinen Hund zum sogenannten Alpha oder Rudelführer erkoren hat. Und das ist nicht gut für alle Beteiligten (siehe Warum du der Rudelführer deines Hundes sein solltest).

Wie der Hund seinen Besitzer manipuliert

Vorab: Nur ein zum Rudelführer gekrönter oder ein vernachlässigter Hund versucht, seinen Besitzer zu manipulieren.

Ein Hund lernt schnell - er lernt, dass der Mensch auf so ziemlich alles reagiert, was er tut, sei es positiv oder negativ.
Er weiß, dass er ausgeschimpft wird, wenn er etwas Verbotenes macht.
Er weiß auch, wenn er so tut, als ob er etwas Interessantes gefunden hat oder wenn er wegläuft, kommen wir zu ihm.
Und er weiß auch, wenn er lange genug nervt, bekommt er sein Futter oder darf auf einen Spaziergang mit.
Aber vor allem weiß er, wie uns kontrollieren kann. Denn er weiß, wenn er sich unauffällig vor uns stellt oder uns niedlich dabei anguckt, bleiben wir stehen.
Wann immer er etwas tut, reagieren wir darauf und so lernt er ganz schnell, den Menschen zu manipulieren.

Je länger der Hund damit durchkommt, desto fordernder und dreister wird er. Wenn der Mensch dann nicht mehr auf seine Manipulationsversuche eingeht, kann der Hund auch aggressiv werden.

Was der Hund daraus lernt

Der Hund lernt, dass seine Signale nicht richtig gedeutet werden, weil der Mensch ihn nicht versteht.

Das Allerwichtigste, was der Hund lernt, ist, dass er sich auf den Menschen nicht verlassen kann und lieber er die Führung übernehmen sollte. Wenn es wirklich mal brenzlig werden sollte, wie in einer Notsituation, dann wird er den Menschen ignorieren und eigenständig handeln, auch wenn es sein Leben kosten könnte.

Dabei will der Hund doch gar nicht so leben. Er will lieber Hund sein, ganz entspannt toben und sich dabei sicher fühlen.


Also schwing deinen Hintern vom Sofa und werde der Rudelführer! Dir und deinem Hund zuliebe. Du weißt nicht, wie du das anstellen sollst? Kein Problem. Wir unterstützen dich mit unserem Rudelführer-Onlinekurs dabei, die Führung deines Hundes zu übernehmen. Denn wir zeigen dir, was einen Rudelführer ausmacht und wie du das praktisch umsetzen kannst. Wir trainieren nämlich dich und nicht deinen Hund! Nur, weil andere Hundebesitzer keine Ahnung von ihren Hunden haben, musst du ja nicht dazugehören.